Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso  und der Hildesheimer Silberfund

J. D. Gerstenberg

 zu Bennopolis

Die neuern Geſchichtsſchreiber, welche dem Ursprunge der Stadt Hildesheim nachforſchten, theilen ſich in zwei Klaſſen. Die eine derſelben will behaupten, die Stadt habe ihre Entſtehung nicht der Verlegung des Stifts von Elze nach Hildesheim zu verdanken, ſondern ſie habe weit früher und ſchon zu des Kaiſers Tiberius Zeiten im Jahre 578 exiſtirt, und damals Bennoburg geheißen, welches aus einem Lateinischen Manuſcripte, das in der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel befindlich ſey, erhellen ſoll, indem daſſelbe mit klaren Worten ſowohl des Jahrs 578, als des Kaiſers Tiberius erwähne, mit dem Zuſatze: dieſer Tiberius ſey bekanntlich vom Kaiſer Juſtin II., kurz vor ſeinem Tode, ihm in der Regierung des Reichs beigeſellet worden. Um dieſer Meinung, und — was daraus folgen würde — daß Hildesheim ſchon lange vor der Gründung des Stifts eine mit Mauern verſehene Stadt geweſen ſey, noch mehr Gewicht zu geben, wird auch dieſer Umſtand angeführt: weil nämlich der Pabst die Beſtätigung zu der Errichtung des Stifts zu Elze aus dem Grunde verweigert habe, weil dieſer Ort, ſicher gegen die Einfälle der heidniſchen Sachſen, zu einem Bisthum ſich nicht geeignet, und weil ohnedieß die Kirchenverſammlung zu Sardika die Errichtung von Bisthümern in Dörfern oder kleinen Städten durch eine beſondere Verordnung unterſagt habe; daß aber die verlangte Beſtätigung auf die Verlegung des Stifts von Elze nach Hildesheim als einem mehr befeſtigten, und wegen der nahe dabei gelegenen Bennoburg von dem Fränkiſchen Heere gegen die Einfälle der Sachſen leicht zu vertheidigenden Orte, ohne weitere Schwierigkeiten erfolgt ſey.

Der aus dem angeführten Manuſscript, welches von der eigenen Hand des Meißnischen Bischofs und vormaligen Abts des Michaelis=Kloſters in Hildesheim, Benno, ſeyn ſoll, gezogene Beweis: daß nämlich die Stadt lange vor der Errichtung des Stifts und bereits im Jahre 578 exiſtiret, und damals den Namen Bennoburg gehabt habe, würde nun zwar für jene Meinung allerdings von Wichtigkeit — aber auch ſelbst der bekannten und weiter unten zu prüfenden Deutung der erſt mit der Verlegung des Stifts von Elze begonnenen Benennung Hildesheim gewiſſermaßen behülflich ſeyn; — allein die Kritik der Geſchichtsſchreiber, welche der entgegengeſetzten Meinung ſind, hat auch ihrerſeits Gründe aufgeſtellt, welche nicht bloß negativ es außer Zweifel ſetzen ſollen, daß eine ſolche Stadt vor der Errichtung des Stifts Hildesheim nicht exiſtirt habe, ſondern daß erſt die Verlegung des Stifts von Elze dahin auch die Ära der Entſtehung der Stadt ſey.

Gerstenberg, J. D.(Herausgeber): Beiträge zur Hildesheimiſchen Geſchichte, 1. Band, Hildesheim, 1828, Seite 11 ff.

Der wissenschaftliche Streit über diese Textstelle begann schon um das Jahr 1060. 1


1 Dobbertin, Hans: Neues zur Frühzeit Hildesheims; Heimatland; Hannover; 2/1993, Seite 41