Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso  und der Hildesheimer Silberfund

Hildesheimer Silberfund

Die Römer waren nicht lang in der Gegend von Hildesheim; bald nach der mäßig erfolgreichen Schlacht auf dem Idistavisischen Felde 16 n. Chr. ordnete Kaiser Tiberius den Rückzug aus dem nördlichen Deutschland an. Neben der schon erwähnten Wegbefestigung  haben sie eine bedeutende Spur in Hildesheim hinterlassen:

Athenaschale

Im Jahre 1868 entdeckte der Soldat August Armbrecht bei der Anlage eines Schießstandes am Fuße des Hildesheimer Galgenberges unweit der gleichnamigen Gaststätte einen Silberschatz aus römischer, vermutlich augusteischer Zeit. Er umfasst ungefähr 60 silberne Gefäße mit einem Gesamtgewicht von 54 kg.

Der Schatz scheint hastig vergraben worden zu sein, mit dem Ziel, ihn nach kurzer Zeit wieder zu bergen.

Münzen fehlen leider. Der Schatz lässt sich darum nur schwer datieren.

Aus den Inschriften macher Stücke lässt sich darauf schließen, dass sie einst römischen Soldaten gehörten: Die Embleme der Kybele-Schale und der Attischale z. B. gehörten einem Quintus Agrius aus der Centurie des Nasonius und waren wohl Tapferkeitsauszeichnungen. 1 Besitzer war also kein hoher  römischer Offizier (z. B. dem Varus), sondern eine Gruppe besser gestellter Legionäre (vgl. aber Gehrig ). Da Agrius noch kein Cognomen führte, muss die Inschrift wahrscheinlich vor 50 n. Chr. geschrieben worden sein; denn ab dann wurden Cognomen zur Regel.

Es ist vermutet worden, dass die Stücke einem Händler gehört hätten. Da aber Speisegeschirre nie in germanischen Grabinventaren gefunden worden sind, ist es unwahrscheinlich, dass jemand damit handelte. 2

Also steht der Schatz wahrscheinlich mit einer militärischen Aktion im Zusammenhang. Die spätest mögliche wäre der Bataveraufstand 69/70 n. Chr. 3 , doch spricht die Entfernung dagegen.

Manche Gegenstände, die man paarig erwartet, sind nur einmal vorhanden, was darauf hindeutet, dass der Schatz geteilt worden war. 4 Aber es gibt auch vollständige Speisegeschirre als Dreiersatz, wie man aus durch Inschriften nachweisten kann. Dreiersätze kennt man nur aus Gallien und Germanien.

Der Schatz wurde vielleicht geopfert. Wenn es Römer waren, dann kommt als Anlass die Errichtung des Altars für Drusus (siehe Tacitus: Annales II 7 ) nach dessen Tode im Jahre 9 v. Chr. in Frage.

Heraklesschale Der Fund wurde auch in den Zusammenhang mit der Niederlage des Varus gegen Armin den Cherusker in der Schlacht beim Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr gebracht, so von Kurt Lindemann  (1967). Jedoch konnte seine Vermutung, die Schlacht habe bei Derneburg stattgefunden, nicht bewiesen werden. Gehrig 5 meint in seinem Buch über den Hildesheimer Silberfund:

Beide Theorien, wie jede Vermutung über die Herkunft des Silbers, sind unbeweisbar, und die Lösung dieser Fragen ist mit den heutigen Kenntnissen nicht möglich. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der unvollständige Silberschatz wahrscheinlich als der Besitz einer einzigen Person anzusehen ist. Die Vergrabung mag in einer unglücklichen Situation während eines Feldzuges des Drusus , Tiberius oder des Germanicus von einem Römer vorgenommen worden sein, doch läßt sie sich nicht mit einem bestimmten historischen Ereignis verknüpfen.

Am wahrscheinlichsten ist noch, dass der Schatz während der Varusschlacht erbeutet wurde, da sie als einzige mit einer Niederlage endete.


1 Boetzkes, Manfred; Stein, Helga (Herausgeber): Der Hildesheimer Silberfund - Original und Nachbildung - vom Römerschatz zum Bürgerstolz; 1997; ISBN 3-8067-8552-X, Seite 37

2 Zedelius, V.: Hildesheimer Silberfund – ein Händlerdepot? Alt-Hildesheim 48, S. 83 ff.

3 Bogaers, J. E: Zum Geheinmnis von Hildesheim; in BABESCH Bulletin Antieke Beschaving No. 57 — 1982, Seiten 182 ff.

4 Auch im Nibelungenlied wird der Hort zweigeteilt. Viele sehen im Drachenmotiv eine Anspielung auf die Varusschlacht.

5 Gehrig, Ulrich: Hildesheimer Silberfund. Herausgegeben von den Staatlichen Museen Berlin Dahlem, Gesamtherstellung Brüder Hartmann Berlin, 1967