Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso  und der Hildesheimer Silberfund

Winzenburg

  1. Wo waren die schwer passierbaren Gebirgswälder?
  2. Kontrolle der Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße
  3. Die Hödeken-Sage
   

Wo waren die schwer passierbaren Gebirgswälder?

Gerhard Schwanke  (Bielefeld) hat mich in einer E-Mail auf folgenden Widerspruch hingewiesen:

Das Gelände bei Kalkriese stimmt in keiner Weise mit den Schilderungen der Örtlichkeit in den Annalen des Tacitus überein. … Bei Kalkriese hat höchstens ein Überfall auf die nach der Schlacht um 9 n.Chr. geflüchtete Reiterei der Römer oder im Jahre 15 n. Chr. ein Überfall auf die Truppen des Germanicus stattgefunden haben, als Germanicus das Schlachtfeld zur Bestattung der gefallenen Römer gesucht hat.

Aus der Germania und den Annalen geht klar hervor , dass die Cherusker nicht im Raume des heutigen Osnabrück sondern östlich der Weser lebten. Armin wird aus strategischen Gründen die Überfälle, die vernichtende Schlacht und die Fallen in einem ihm und den germanischen Truppen gut bekannten Gebiet und Gelände geplant und vorbereitet haben , das heißt also, in dem Gebiet der Cherusker, das den römischen Truppen völlig unbekannt war.

Ich stimme mit ihm überein und füge noch hinzu: Auch die Geländeverhältnisse, wie Cassius Dio sie geschildert hat, passen nicht zu Kalkriese. Ich postuliere zwar einen Marsch aus der Gegend um Hildesheim und dem nördlichen Harzvorland nach Westen, ungefähr wie auf der Karte eingezeichnet. Aber zumindest dessen erster Teil kann nicht nur dem Hellweg gefolgt sein, da Cassius Dio  schreibt:

… zogen nun gegen ihn, als er schon in schwer passierbare Gebirgswälder geraten war.

Von Dio  wissen wir, dass sich Varus zwar auf dem Rückmarsch befand , aber wohl einen Umweg machte, um einen kleineren Aufstand nebenbei niederzuschlagen. So war er in das gefährliche Gebiet gelockt worden.

Feldzug des Varus von Segeste über Porta Westfalica von Google Maps berechnet
Stationen des Varus-Feldzuges 9 n. Chr.
B Segestes / Segeste
C Irmenseul
D Winzenburg
J Castra scelerata / Schellerten
I Hildesheim
H Aliso / Elze
G Porta Westfalica
F Kalkriese

Wenn der Marsch in der Gegend um Hildesheim oder östlich davon begann, dann bedeutet ein Umweg durch Gebirgswälder einen Umweg nach Süden; denn nördlich von Hildesheim gibt es keine. Der Hellweg (die heutige Bundesstraße 1) entspricht nicht der Beschreibung Cassius Dio' s. Welche Wege nach Süden kommen in Frage?

Das Bild zeigt den von Google-Maps berechneten Fußweg von Hildesheim an Segeste und Irmenseul vorbei in Richtung Selter bei Freden nach Winzenburg. Die erste Waldschlucht, die erreicht wird, ist der Römergrund 1 bei Winzenburg.

Hierzu schreibt Schwanke:

Das Tal zwischen den beiden Wallburgen ist wie ein Trichter oder wie eine Fischreuse, wenn eine große Truppeneinheit erst in dem Tal ist, gibt kein Zurück mehr. Die Römer konnten hier von drei Seiten vernichtend angegriffen werden. Übrigens, bei Google hat das Tal die verblüffende Bezeichnung „Römergrund“.

Natürlich mag das Waldgebirge Sackwald noch an anderer Stelle überquert worden sein, zum Beispiel bei Alfeld. Doch keine Stelle ist so günstig für einen Überfall, und keine liegt so nahe am Selter, den ich für den südlichen Teil des Saltus Teutoburgiensis halte.

In den Apenteichen bei der Winzenburg sind römische Münzen aus dem ersten vor- und nachchristlichen Jahrhundert gefunden worden. deFreden (Leine) Geschichte

Als Karl der Große die Sachsen unterwarf, ließ er auf der Hohen Schanze  eine Missionsstation errichten. 2 Später diente die Winzenburg der Verteidigung des Bistums Hildesheim nach Süden.

   

Kontrolle der Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße

Die Winzenburg, die Burgen um die Lippoldshöhle und die Thüster Burg  = Teutoburg  kontrollierten im Mittelalter die sogenannte Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße , die den Selter  = Saltus beim Dör und die Leine bei Freden querte, unterhalb der Winzenburg  durch den Römergrund verlief und weiter am Nordrand des Harzes in die Gegend von Quedlinburg / Halberstadt führte. 3

   

Die Hödeken-Sage

Nach einer sehr alten Sage hatte die Winzenburg einen Schutzgeist namens Hödeken  = Hütchen , der, sonst unsichtbar, nur an seinem kleinen weißen Filzhut zu erkennen war.   4 .

Dieses Attribut wird sonst Siegried (Tarnkappe) oder Wotan (Filzhut) zugeordnet. Vielleicht ist hier ein Rest des mit der Irminsul  verehrten Gottes in der Sage erhalten geblieben.

Auch vom Thüster Berge erzählt man eine ähnliche Sage; Hödeken  heißt dort Hoike . 5

Wenn Hödeken und Robin Hood  identisch sind, wie Leslie Stephen  behauptete, 6 spricht das für ein hohes Alter der Sage.

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator Google-Maps Geländebild Winzenburg - Freden,   der Höhenzug, den die B3 überquert, ist der Selter Quelle: © Archäologieführer Deutschland / wek-Verlag

1 Auf einer Karte um 1840 nachgewiesen als Die Römer Grund . http://www.kreisheimatbund-hildesheim.de/media/bildergalerie2/441-480/445-Haus-Freden,%20die%20Glashuetten%20Schildhorst%20und%20Westerberg%20sowie%20„die%20Roemer%20Grund“.JPG   Die   Grund (f.)  ist schon lange unüblich, was auf ein hohes Alter der Flurbezeichnung hinweist.

2 Hinweis von Stefan Reissig: In Ihrer Karte vom Römergrund und den Wallanlagen bei Winzenburg ist die Hohe Schanze eingezeichnet. In der Karte wird sie als „alte Winzenburg“ beschrieben. Das ist aber falsch. Der alte Begriff für das Höhenplateau, auf dem noch Karl d. G. eine Missionsstation errichten ließ, um das bis heute anhaltende heidnische Opfern an den Apenteichquellen in den Griff zu bekommen, lautete „Sachsen-Schanze“.

3 Schautafel an der Winzenburg: Der Turm diente der Kontrolle einer im Tal von West nach Ost vorrüberziehenden Straße (Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße). Man sah diese nicht nur bis zur Leinefurt bei Freden ein, sondern konnte sie bis zum Dör (Paß im Selter) verfolgen.

4 Niedersachsens Sagenborn; 6. Aufl.; Hildesheim; 1946; Seite 205.  Die Sage ist sehr alt. Im Jahre 1122 soll Hödeken erschienen sein, als Graf Hermann I von Winzenburg in der Leine ertrank. Als 1152 Graf Hermann II und seine Gemahlin Luitgardis von einem Burgritter ermordet worden waren, weckte er den schlafenden heiligen Bernward, Bischof von Hildesheim, mit den Worten: Plättner, wake up, de Greveschop to Winzenborg de steit los! .

5 Die Sagenwelt des Thüster Berges

6 In its origin the name was probably a variant of 'Hodeken', the title of a sprite or elf in Teutonic folk-lore (Grimm, Deutsche Mythologie, p.472). Stephen, Leslie, Sir: Dictionary of national biography; London; 1891; Eintrag Hood, Robin. http://archive.org/stream/dictionarynatio25stepgoog#page/n14/mode/2up