Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso  und der Hildesheimer Silberfund

Selter

  1. Teutoburgiensis Saltus  = Selter
  2. Der Weg von Mainz
   

Teutoburgiensis Saltus  = Selter

In welchen deutschen Ortsnamen dürfte sich das lateinische Wort Saltus   transformiert haben? Sehen wir es als Eigen- und nicht als Gattungsnamen an! Wir orientieren uns an der Transformation bekannter Wörter.

Saltus kanonisch transformiert
Lateinisch Deutsch
Bekannte Transformationen
sal Salz
altus alter 1
[fontes] salientes Selters [an der Lahn] 2
Vermutete Transformation
saltus Salter oder Selter

Wir suchen also in der Nähe des Thüster Berges nach einem Höhenzug namens Salter  oder Selter .

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

Wie die Karte zeigt, ist der Thüster Berg nur der nordwestliche Teil des längsten Höhenzuges im Gebiet (30 km), der als Ganzes keinen Namen hat. Sein südöstlcher Teil heißt Selter . Mit Teutoburgiensis Saltus  = Thüster Berg - Selter   bezeichnet man treffend den gesamten Höhenzug. Der Name des Selter 's zur Zeit Ludwigs des Frommen, Salter , war dem lateinischen Saltus  noch ähnlicher. 3

Saltus  vertritt Selter  im lateinischen Text, entweder, weil der Selter nach dem lateinischen Wort für Pass, Waldgebirge 4  benannt worden ist, oder, weil der Klang des Wortes die Römer an Saltus  erinnerte (Volksetymologie). Warum heißt es saltus   Teutoburgiensis , sonst aber Hercynia silva, mons Taunus, silva Gabreta, Carpates montes ?

Der Selter ist nicht nur die Fortsetzung eines Höhenzuges, dessen Name sich auf Teuto zurückführen lässt, sondern hat auch einen solchen Gipfel, den Thödings-Berg, wie der rechten Karte zu entnehmen ist. 5

   

Der Weg von Mainz

Der alte Nord-Süd-Weg, heute Bundesstraße 3, auf dem Drusus und Tiberius im Jahre 9 v. Chr. zogen, verläuft um den Selter und überquert ihn auf einem Pass , dem einzigen übrigens auf einer weiten Strecke.

Bisher hat man nach Saltus = Pässen   am Hellweg gesucht. Der einzige nennenswerte ist der über den Osning östlich Paderborns, der darum fälschlich in Saltus Teutoburgiensis  = Teutoburger Wald    umbenannt worden ist. Der Weg von Mainz (im Gebiet die Bundesstraße 3), über den das Gebiet um Hildesheim ebenfalls erreicht wurde, ist vernachlässigt worden, obwohl ihn Drusus in den Jahren 10 und 9 v. Chr. und Tiberius 9 v. Chr. nahmen.

Von GoogleMaps berechneter Fußweg von Mainz über Rödgen und Hedemünden nach Elze Überquerung des Selter's

Man kann sich den optimalen Fußweg von Mainz (A) über die bekannten Römerlager aus der Zeit der Drusus-Feldzüge, Rödgen (B) und Hedemünden (C) nach Elze (D) von Google Maps ausrechnen lassen und erkennt:


1 Im Deutschen und Lateinischen ein altes Partizip Perfekt mit der Urbedeutung ernährt , verwandt mit alere . Im Lateinischen nahm es die Bedeutung hochgewachsen, hoch  an, im Deutschen nicht mehr jung . alter = Nom. masc. sing. wie in ein alter Mann .

2 Laut Wikipedia de Selters (Löhnberg)   habe der durch sein sprudelndes  Mineralwasser bekannte Ort Selters an der Lahn seinen Namen von lat. saltare = springen, tanzen , also derselben lateinischen Wurzel, erhalten (vgl. auch lat. salientes  = Springbrunnen ).

3 Lauenstein, Joachimus Berwardus: Descriptio dioecesis Hildesheimiensis medii aevi; Bennopoli (= zu Hildesheim); 1745; Seite 68. Salter = alter Name des Selter's

4 Das lateinisch Wort saltus   bedeutet meistens Sprung , dann auch selten Bergpass, Waldgebirge, waldige Landschaft mit Bergen und Tälern , und schließlich synekdochisch (als Teil für das Ganze) Viehtrift, Alm. Es hat wohl zwei etymologische Wurzeln: 1. salire (springen)  und 2. Ἂλτις (Hain in Olympia), ἄλσος (Hain) , verwandt mit Silva und Wald ?

5Hinweis von Gisela Jaeger, Hildesheim. Sie hat auch darauf hingewiesen, dass der Name des am Fuße des Thödings-Berges gelegenen Dorfes Ammensen, früher Ammenhusen ( dehttp://de.wikipedia.org/wiki/Ammensen#Geschichte) von Arminius ableitbar ist. Der Nachbarort Varrigsen lässt sich nicht von Varus herleiten; denn sein frühester bekannte Name (1180) lautete Verthelekessen. Casemir, Kirstin; Ohainski, Uwe: Die Ortsnamen des Landkreises Holzminden; Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 51; Niedersächsisches Ortsnamenbuch 6; Bielefeld 2007; Seite 206.