Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso  und der Hildesheimer Silberfund

Teutoburgiensis Saltus

  1. Lage des Saltus teutoburgiensis
  2. Die Wegstrecke
  3. Kalkriese
  4. Zweifel an Kalkriese
  5. Vereinbarkeit mit meiner Theorie
   

Lage des Saltus teutoburgiensis

Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. befand sich Varus mit seinen Legionen im Gebiet der scheinbar mit ihm verbündeten Cherusker, unweit der Weser und der Burg des Cheruskerfürsten und Römerfreundes Segestes , die mehrere Autoren bei Segeste  südlich von Hildesheim lokalisieren. Ein Teil der Truppen unter der Führung des Caedicius lag in Aliso und hielt es besetzt.

Cassius Dio :

… indem sie Varus so willkommen hießen, als wollten sie alles tun, was er befehlen würde, lockten sie ihn weit vom Rheine ins Cheruskerland und zur Weser … 1

Die Angabe vom Rheine  ist unpräzise: War er von Süden gekommen, wie einst Drusus 9. v. Chr, und wollte dahin zurück? Oder von Westen? Ein Teil des Heeres zumindest war in Castra Vetera bei Xanten stationiert, wo das Grabdenkmal des in der Schlacht gefallenen Centurios Marcus Caelius gefunden worden ist. Die meisten Historiker nehmen einen Zug nach Westen an.

Die einzige Textstelle, in der der Name des Schlachtortes überliefert ist, Tacitus: Annales I 60 , ad ultimos Bructorum … haud procul Teutoburgiensi saltu , weist in dieselbe Gegend (Weser und Cheruskerland).

Varus sei mit dem Großteil seines Heeres in eine entfernte Gegend gezogen, um einen Aufstand niederzuwerfen — entfernt  von Varus aus gesehen oder vom Rhein? Auf dem größten Teil seines 4 - 5 tägigen Marsches, aber nicht gleich zu Anfang, sei es von den Germanen wiederholt überfallen worden. 2

… erhoben sich als erste entfernt von ihm siedelnde Einwohner , damit Varus gegen sie vorrückte, so dass er von ihnen auf dem Marsche leichter zu bezwingen wäre … und stießen wieder zu ihm, als er sich schon in undurchdringlichen Wäldern befand. Da nun gaben sie sich auf ein Mal als Feinde statt als Unterworfene zu erkennen …
3

Die Schlacht am Teutoburger Wald fand nicht an einer einzigen Stelle statt, sondern an der Wegstrecke eines mehrtägigen Marsches, wenn man nicht dem Bericht des Flavus folgt. Der Marsch führte in Richtung Rhein, auf einem Umweg zwar, doch nicht vom Rheine weg; schließlich war das Ziel, Heer und Tross ins Winterquartier zu führen.

   

Die Wegstrecke

Feldzug des Varus von Segeste über Porta Westfalica von Google Maps berechnet
Stationen des Varus-Feldzuges 9 n. Chr.
B Segestes / Segeste
C Irmenseul
D Winzenburg
J Castra scelerata / Schellerten
I Hildesheim
H Aliso / Elze
G Porta Westfalica
F Kalkriese

Die meisten Autoren lokalisieren die Varusschlacht westlicher als ich. Da sie nicht an einem einzigen Ort sondern entlang eines mehrtägigen Marsches stattfand, ist das kein Widerspruch.

   

Kalkriese

Schon 1885 hatte Theodor Mommsen  den Schlachtort bei Kalkriese vermutet; ab 1987 fand dort der Amateurarchäologe Major Anthony Clunn  zahlreiche Münzen und Wurfgeschlosse aus Blei, die Mommsen's These stützten. ( Museum und Park Kalkriese 4 ). Im August 2008 wurden an der Weser bei der Porta Westfalica Hinweise auf ein Lager gefunden,  in dem der römische Feldherr Varus lagerte, bevor er im Jahr 9 nach Christus in die Schlacht gezogen ist. 5

Argumente für die clades Variana bei Kalkriese  finden sich z. B. bei Ralf G. Jahn 6

   

Zweifel an Kalkriese

Dass in Kalkriese eine Schlacht der zweiten Hälfte des Römische-Germanischen Krieges stattgefunden habe, ist unstrittig; weiterhin wird aber bezweifelt, dass es die clades Variana gewesen sei, so von Peter Kehne, Reinhard Wolters 7

Siegfried G. Schoppe sieht in Kalkriese den Ort der Schlacht am Angrivarierwall unter Germanicus im Jahre 16 n. Chr.. Die clades Variana lokalisiert er am östlichen Hange des Lippischen Waldes in der Gegend zwischen Detmold und Salzuflen. 8

Kalkriese liegt weit vom Kerngebiet der Cherusker entfernt; es fällt schwer, sich vorzustellen, dass der Cherusker Arminius den Römern dort ihre schwerste Niederlage zugefügt habe.

   

Vereinbarkeit mit meiner Theorie

Ob wir dem folgen, dass Varus über die Porta Westfalica nach Kalkriese gezogen sei, wo sein Heereszug aufgerieben worden sei, oder annehmen, dass dies an oder unweit der klassischen Stelle im möglicherweise erst in später Zeit so genannten Teutoburger Wald geschehen sei – in beiden Fällen zog das Römerheer aus der Gegend von Hildesheim auf dem Hellweg in Richtung Westen. Der von Google Maps automatisch berechnete Verlauf, der im Detail nicht zutreffen mag, zeigt, dass das Gebiet, von dem nach unserer Theorie der Feldzug seinen Ausgang nahm (A - D), sich in gerader Linie über die Porta Westfalica mit Kalkriese verbinden lässt. Der Verlauf über den Hellweg (die heutige Bundesstraße 1) oder den Lauensteiner Berg 9 über Hameln in Richtung Bad Meinberg wäre nicht so weit vom Raume Hildesheim entfernt und mit meiner Theorie besser verträglich.

Auch die Annahme, der Heereszug habe sich in entgegengesetzter Richtung aus der Gegend um Hameln in Richtung Mainz bewegt, steht nicht in Widerspruch zu meiner Theorie. In allen Fällen zog Varus mit seinen Legionen am Thüster Berg  vorbei.


1 Cassius Dio: LVI 18. altgriechischer und deutscher Kontext

2 Eine Zusammenstellung der antiken Quellen in deutscher Übersetzung findet sich unter http://www.kalkriese-varusschlacht.de/varusschlacht-varusschlacht/antike-quellen/antike-schriftsteller.html

3 Cassius Dio LVI 19.   altgriechischer und deutscher Kontext

4 Museum und Park Kalkriese http://www.kalkriese-varusschlacht.de/varusschlacht-ausstellung/

5 Mindener Tageblatt: Römerlager in Barkhausen; 2008-08-08 http://www.mt-online.de/mt/lokales/blickpunkt/roemerlager_in_barkhausen/?cnt=2507465

6 Jahn, Ralf G.: Der Kampf der Arminius-Koalition gegen Rom; Norderstedt; 1. Auflage 2012; ISBN 978-3-656-24645-9; Seiten 105 ff.

7 Der Numismatiker Wolters  hält eines der wichtigsten Argumente für Kalkriese, die Münzfunde, nicht für stichhaltig.

8 Zuletzt in Schoppe, Siegfried G./Schoppe, Christian M./Schoppe, Stephan A.: Weißbuch Hermannschlacht; Osning Verlag; ISBN 978-3-98149463-8-3; Bielefeld; 2014; Seite 31 ff..

9 Bökemeyer  hat auf Grund von Münzfunden den Verlauf einer römischen Straße Bad Pyrmont - Weserfurt - Börry - Ithpass - Lauenstein - Thüster Berg rekonstruiert.